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  • Anne-Liese Prem

The Future of Sex, Love & Dating

Updated: Feb 2



Image: Pexels


Vor kurzem wurde ich gefragt, was ich über die Zukunft von Liebe, Sex & Dating denke und wie die Pandemie sich auf unser Liebesleben auswirkt:


Über die Pandemie und die Auswirkungen auf unsere intimen Beziehungen

Lisi Prem, tomorrowstories: Die Pandemie hat einen Trend verstärkt, den es schon vorher gab: Wir erleben eine Epidemie der Einsamkeit. Ein Drittel (!) der erwachsenen Weltbevölkerung fühlt sich einsam (Studie hier), in manchen Region ist der Prozentsatz um 50% (!) gestiegen. Wir chatten, zoomen und liken im digitalen Bereich wie noch niemals zuvor, aber im echten Leben finden wir viel schwieriger zu einander. In Krakau in Polen hat man deshalb zum Beispiel gerade “Happy to chat”-Parkbänke aufgestellt, damit Menschen wieder ins Gespräch miteinander kommen. Die 2020er Jahre werden entscheiden, ob es uns gelingt, den technologischen Fortschritt mit unseren menschlichen Bedürfnissen und der Natur zu verbinden. Ich setzte große Hoffnungen in die Gen Z: Es geht ihnen derzeit schlecht, Panikattacken und Ängste steigen bei der jungen Bevölkerung enorm. Diese Generation merkt, dass es so nicht weitergehen kann.


Über die Pandemie und ihre Auswirkung auf Singles, die auf Partnersuche sind, aus?

Lisi Prem, tomorrowstories: Auch hier hat die Pandemie die digitale Transformation beschleunigt: Die Nutzerzahlen auf den Datingplatformen sind explodiert, Online Dating ist endgültig zum “New Normal” geworden. Aber wir kennen das: Online kommt man schneller ins Gespräch, man traut sich mehr. Ein schüchterner Mann, eine schüchterne Frau wagt sich digital oft viel weiter vor, als im echten Leben. Ich bezweifle aber, dass sich durch das verstärkte Online Dating auch genauso viele stabile neue Beziehungen entwickelt haben. Da ein Treffen nicht möglich ist, begnügen sich viele jetzt schon seit bald 2 Jahren mit digitalen Brieffreundschaften bis hin zu Sexting. Da ist sehr viel Bequemlichkeit entstanden: Sich im echten Leben dann auch wirklich kennenzulernen, ist oft ein zu großer, zu anstrengender Schritt.


Über unsere Ansprüche an die Liebe und Partnerschaft

Lisi Prem, tomorrowstories: Ich bemerke an mir selbst und in meinem Freundeskreis durch die Pandemie ein starkes Bedürfnis nach weniger Konsum, mehr Umweltschutz, mehr Sinn im Leben und echten, tragfähigen Beziehungen. Wenn es draussen so wild zugeht, möchte man sich selbst auf seinen inneren Kreis verlassen können. Auf der einen Seite klingt das nach einer Zukunft mit echter Liebe und tiefer Verbundenheit. Auf der anderen Seite bauen diese hohen Ansprüche sehr viel Druck auf unsere engsten Beziehungen auf. Wer kann das alles schon erfüllen? Und der nächste, vermeintlich bessere Partner ist scheinbar nur einen Swipe weiter.


Über eine Zukunft mit Cybersex mit Robotern

Lisi Prem, tomorrowstories: Die beschleunigte Digitalisierung macht natürlich nicht halt vor unseren Schlafzimmern! Schon jetzt kann man Sex mit Virtual Reality Brillen erleben und Toys, die über eine App gesteuert werden, gehören für viele Paare ganz normal zum Liebesleben dazu. Der Sex der Zukunft wird aber kein Sex mit Liebesrobotern sein, so wie wir uns das ganz banal vorstellen. Es wird sich viel mehr im Bereich der Fantasie abspielen, im Bereich des Visuellen, zum Beispiel mit unglaublich realen Avataren, die wir im digitalen Metaverse treffen. Das größte Sexorgan ist ja bekanntlich unser Gehirn und da setzt die Technolgie der Zukunft primär an. Vom Gehirn aus werden dann auch körperliche Empfindungen künstlich gesteuert werden können. Sex im Metaverse wird übrigens ein sehr interessanter, aber auch gefährlicher Grau-Bereich: Was darf man im Metaverse und wer entscheidet dort, was man darf?

Über neue Technologie und ihre Auswirkungen auf unsere Gefühle

Lisi Prem, tomorrowstories: Innovationen sind nur dann erfolgreich, wenn sie ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen können. Unsere Grundbedrüfnisse sind schon seit jeher die selben und werden es auch immer bleiben. Dazu gehören Zugehörigkeit, Geborgenheit, Berührung, körperliche Nähe. Der Wunsch nach der Erfüllung dieser Bedürfnisse wird nie verschwinden. Ob wir die neuen Technologien dazu nutzen, uns dabei zu helfen, liegt aber an uns. Die Gefahr, dass viele Menschen sehr stark ins Digitale abdriften ist definitiv da.

Über das Dating der Zukunft

Lisi Prem, tomorrowstories: Wenn wir die Technologie richtig für uns nutzen, kann das zu besseren, längeren Beziehungen führen: Dating Apps werden in Zukunft noch mehr mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Der Algorithmus lernt unsere Wünsche und Bedürfnisse immer besser kennen und schlägt uns Partner vor, die perfekter zu uns passen. Außerdem lassen wir uns länger Zeit, uns zu binden. Die Generation Z probiert sich aus und sucht sehr fokussiert nach dem Sinn des Lebens. Wenn es dann Zeit ist, sich zu binden, dann könnte das recht schnell gehen und durchaus langfristig sein.

Über alternativen Beziehungsmodelle der Zukunft

Lisi Prem, tomorrowstories: Die Generation Z wächst mit Müttern auf, die voll im Arbeitsleben stehen und sich lautstark gegen traditionelle Rollenbilder äussern. Deshalb interessiert es diese jungen Menschen überhaupt nicht, irgendwelchen stereotype Geschlechterrollen zu entsprechen. Ihre Stars wie Harry Styles oder Lil NasX tragen Kleider und Nagellack. Diese “Gender Fluidity” führt auch dazu, dass mehr erlabut ist und man mehr ausprobiert. Es wird in Zukunft alle möglichen alternativen Beziehungmodelle geben, die auch ganz normal und offen gelebt werden, wahrscheinlich auch in Lebensphasen. Für die Generation Z geht es um individuellen Ausdruck. Ganz egal wer Du bist, mach´ Dein Ding und sei dabei authentisch.

Über die Zukunft von Liebe und Beziehungen in 10, 20 Jahren

Lisi Prem, tomorrowstories: Ich bin zuversichtlich, dass wir in 10, 20 Jahren große Schritte in Richtung Gleichberechtigung gemacht haben werden. Frauen werden noch viel selbstbestimmer leben können. Fruchtbarkeits-verlängernde Methoden wie Egg Freezing werden ganz selbstverständlich zum Alltag gehören und somit für Frauen die Möglichkeit bieten, sich zwischen 25 und 45 auf etwas ganz anderes zu konzentrieren, als einen Mann zur Fortpflanzen zu finden. Sie werden sich beruflich noch mehr etablieren können. Das wird den Zeitpunkt der Familiengründung noch weiter zurückverschieben und vieles, mit dem wir uns jetzt herumschlagen, völlig aufbrechen. Bis man sich wirklich entscheidet, wird es wohl viele verschiedene, recht turbulente Phasen geben und viel ausprobiert werden. :)


Über die Zukunft von Sex

Lisi Prem, tomorrowstories: Junge Menschen, die in 10-20 Jahren erwachsen sein werden, wissen mehr über Sex als jede Generation zuvor. Im Vergleich zu den Millenials, die Sex völlig realitätsfremd und ohne Filter im Internet kennengelernt hat, geht es bei den Gen Zs und den Gen Alphas schon viel mehr um echte Emotionen und ein ehrliches Miteinander. Sie legen Wert auf Selbstbestimmung und Authentizität. Davon werden unsere Beziehungen und unser Sexleben definitiv profitieren. Auch Sex im Alter wird kein Tabu mehr sein, weil sich das Bild der älteren Frau gerade jetzt schon stark verändert - siehe Gwyneth, JLo und Co. Coole, spannende Frauen über 50 werden sich im Jahr 2040 sicherlich nicht mehr verstecken.


Über Dating der Zukunft

Lisi Prem, tomorrowstories: Wie es zur Zeit aussieht, werden wir uns schon ziemlich bald im Metaverse als Avatare treffen. Datingplatformen werden in Zukunft wie virtuelle 3D Bars, Clubs oder andere Treffpunkte aussehen und das echte Leben perfekt simulieren. Lustig wird´s nur, wenn der Avatar dann im realen Leben total anders aussieht, aber das kennen wir ja schon jetzt durch die gefliterten Bilder!


Und was ist mit der Liebe?

Lisi Prem, tomorrowstories: Die Liebe wird immer die Liebe bleiben (siehe Antwort oben, Grundbedürfnisse). Wir werden uns in Zukunft immer noch unsterblich in den Falschen verlieben und immer noch die gleichen Fehler machen. Und genauso Schmetterlinge im Bauch haben und hoffentlich auch die Liebe unseres Lebens treffen.






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