• Anne-Liese Prem

Die Welt nach der Krise - 5 tomorrow stories für die Zukunft

Warum wir nach Corona noch mehr online sein werden.

Photo: Shutterstock / Design: tomorrow stories


Letzte Woche machte ein Artikel eines Trendforschers überall die Runde, in dem er beschreibt, wie er die Auswirkungen von Corona auf die Welt sieht. Alles in allem klang der Artikel vor allem positiv und endete mit der fast schon hippiesquen Aussicht, dass wir alle auf unseren Balkonen singen werden. So schön, so gut. Irgendwie meldet aber mein Zukunftsradar bei vielen der Thesen, die gerade herumschwirren einen massiven DOWNLOAD ERROR an – vor allem, wenn der Digital Detox vorhergesagt wird: Wer bitte schön ist in diesem Moment grad weniger am Handy? Und wer kennt einen Teenager, der jetzt in Corona Zeiten MEHR im Wald spazieren geht und WENIGER Instagram Influencer und Reality TV schaut?


Frauen sagt man ja nach, dass sie wie ein Schwamm vieles aufsaugen und spüren, bevor es passiert. Darum wage ich mich mal vor und teile meine 5 Ideen für die Zukunft nach Corona. Mein Gefühl und meine Trendrecherchen sagen mir, dass es danach eher so weitergehen wird:


#tomorrowstory 1:

DIGITALISATION ACCELERATION


Ob wir nach der Krise wirklich weniger auf unser Handy schauen werden? Ich beobachte gerade das Gegenteil: Menschen, die ihr Mobiltelefon bis jetzt nur zum Telefonieren benutzt haben, probieren Video Calls und eröffnen Social Media Accounts. Regelmäßig stürzt Instagram Live ab, weil alle gerade gleichzeitig live gehen. Zur Zeit erlebt jeder hautnah, was alles digital möglich ist: Von Behördenwegen bis zu gemeinsame Dance Partys, von Online-Workshops bis zu virtuellen Cook-Offs – der Kreativität im Digitalen sind derzeit keine Grenzen gesetzt. Und: Wer als Business noch nicht online ist, wird kaum überleben. Auch wenn wir im Endeffekt "nur" einige Monate zuhause bleiben, ist diese Zukunftsweiche nun endgültig gestellt: Der Handel wird sich für immer ändern und die Digitalisierung endgültig annehmen. E-Commerce und gut betreute Social Media Kanäle werden auch für kleine Händler Standard. Stationäre Geschäfte verwandeln sich immer mehr zu Schauräumen, die die Geschichte der Marke aus der digitalen Welt weitererzählen. Im Arbeitsleben wird die derzeitige Stay-at-home-Situation die Bedenken vieler Chefs gegen Home Office wohl endgültig auflösen. Remote Working wird zwar nicht übernehmen, aber in vielen Bereichen zur echten Alternative werden. In Zukunft spielt sich wohl noch viel mehr digital ab, als wir uns im Moment denken können. Was gerade noch Science Fiction war, wird jetzt in kürzester Zeit Realität.


tomorrow Tipp: Nutze die Zeit, um Deine digitalen Kanäle auf Vordermann zu bringen, zum Beispiel eine Strategie für dein Unternehmen für TikTok zu entwickeln. Dort spielt sich die Zukunft von Social Media ab! (Wenn du wissen willst, wie´s geht, schau dir mal dort die Accounts von Fussballclubs wie den Borussia Dortmund an). Aber nur in der Digitalisierung das Heil sehen ist zu wenig: Unternehmen werden sowohl ihr Digital Game, als auch "In Real Life" sehr gut spielen müssen, denn ein Multi-Channel Ansatz ist weiterhin wichtig: Nur solche Unternehmen werden in Zukunft erfolgreich sein, die persönliche Beratung vor Ort genauso gut können wie die coolste neue Instagram-Story.



#tomorrowstory 2:

MENTAL HEALTH-NESS


Die Corona-Situation verstärkt Gefühle: Wer sich schon immer isoliert gefühlt hat, spürt die Einsamkeit noch mehr. Wer schon immer ängstlich war, wird mit einigen seiner größten Befürchtungen konfrontiert. Durch die Ungewissheit macht sich ein Gefühl des Kontrollverlustes breit, dass auch bei sonst gefühlsstabilen Menschen zu Angst führen kann. Das Resultat: Wellness ist nicht mehr genug, um die persönlichen Probleme zu lösen. Tabus rund um psychologische Krankheiten zu durchbrechen war schon vor Corona ein großer Trend. Jetzt werden Gespräche über Ängste, Depressionen und Psychotherapien zum Alltag. Das viele Menschen ihre Job verlieren, wird zu tiefen persönlichen Krise führen und dem Wunsch, mit sich selbst wieder in Einklang zu kommen und sich neu zu erfinden. Auf Instagram boomt schon seit längerem Meditation – Apps wie Headspace und Calm werden schon von Millionen von Menschen genutzt – aber es wird noch viel weiter gehen: Neuartige Trauma-Therapien wie EMDR, ja sogar innovative Behandlungsmethoden wie gezeigt in der goop lab Serie werden viel Zuspruch erfahren. Online Therapien, spirituelle Workshops und Apps im Bereich Mental Health sowie Produkte, die unser Immunsystem stärken, haben jetzt besonders gute Chancen, sich langfristig zu etablieren.


tomorrow Tipp: Unternehmen sollten die Ängste ihrer Kunden jetzt besonders ernst nehmen: Viele Menschen fühlen sich zur Zeit sehr verunsichert. Wer in dieser schwierigen Zeit den richtigen Ton trifft und achtsam kommuniziert, kann viel Vertrauen in die Marke aufbauen. Massen-Emails mit Konsumangeboten sind jetzt völlig fehl am Platz. Es gilt, das Gefühl des Miteinanders zu stärken und den Einzelnen dort abholen, wo er gerade ist: Zuhause, isoliert, mit Zukunftsängsten und vielfach sogar existenziellen Ängsten.


#tomorrowstory 3:

BACK TO THE ROOTS


Wer die erschütternden Bilder aus australischen und englischen Supermärkten gesehen hat, auf denen sich Menschen um Klopapier prügeln, für den sind singende Menschen auf Balkonen zu wenig, um an ein neu erstarktes Gemeinschaftsgefühl und an das Gute im Menschen zu glauben. Leider zeigt auch diese Krise in einigen anderen Bereichen auf, dass jeder sich selbst am Nächsten ist - man denke nur an den aktuellen Anstieg an Internet- und Telefon-Betrügereien. Was aber Hoffnung macht: Dadurch, dass sich bei vielen Menschen die erstarrten Rollen gerade auflösen und wir Dinge tun, die wir sonst nie getan hätten, bildet sich mehr Verständnis für andere: Eltern sehen, welchen Job Lehrer machen, Väter im Home Office lernen den Alltag der Mütter kennen. Das Wohl der Familie und Freunde und ein sicheres Zuhause rücken in den Mittelpunkt. Die Isolation macht etwas mit uns: Wir hinterfragen unsere Routinen, unsere Gewohnheiten, unseren Konsumverhalten. Das Resultat: Wir wünschen uns Authentizität, Ehrlichkeit und Echtheit.


tomorrow Tipp: Die "no more bullshit" Konsumenten wollen echte Produkte von echten Menschen – am besten aus der lokalen Umgebung. Unternehmen müssen in Zukunft sehr genau darauf achten, mit ihren Aktivitäten Sinn zu stiften – für den unmittelbaren Käufer, aber auch für die Gesellschaft. Dies hat auch schon der Trend hin zu Purpose Brands angedeutet, der jetzt schneller und stärker im Mainstream umgesetzt wird (Hier kannst du mehr über Post-Purpose Brands lesen). Und, wer hätte das gedacht: Da viele globale Lieferketten gerade zusammenbrechen, wird "buy local" wahrscheinlich für eine Zeit lang die einzige Alternative! Auch durch den eingeschränkten Flugverkehr wird sich vieles in kleineren Kreisen in der unmittelbaren Umgebung abspielen.


#tomorrowstory 4:

ECO REVISITED


Vor drei Wochen haben viele mit Backpulver geputzt - wie schnell sich das ändert: Undenkbar, in Zeiten von Corona nicht wieder zur chemischen Reinigungsmitteln zu greifen. Nachhaltigkeit wird in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erstmal in den Hintergrund in den Hintergrund rücken. Kommt die Rezession, werden Politiker in erster Linie nicht mehr mit Klimaschutz punkten können, ABER: Die Zusammenhänge zwischen neuartigen Viren und dem Überleben unseres Planeten werden mehr und mehr wieder in den Vordergrund rücken. Menschen wollen gesund im Einklang mit dem Planeten leben. Als Konsumenten wählen sie bevorzugt Marken, die sie selbst und die Umwelt schützen. Das Thema ECO wird eine Überarbeitung erfahren und bald noch stärker zurückkommen. Die Modebranche war schon vor Corona in Umbruchstimmung - hier wird sich vieles von Grund auf ändern: Produktion und Konsum von Mode werden sich wandeln, wahrscheinlich wird es weniger Kollektionen und weniger Ware geben. Da viele sich die neuesten Trends nicht mehr leisten können, wird Second Hand auch für Luxusmarken zum Thema. Endlich eine Chance für echte Nachhaltigkeit?


tomorrow Tipp: Umweltschutz bleibt weiterhin das wichtigste Thema der 20er-Dekade. Überlege, wie du das Thema Nachhaltigkeit post-Corona authentisch kommunizieren kannst: Schutz und Beschützen werden große Schlagwörter: "Schutz des Einzelnen", "Schutz der Gemeinschaft", und "Schutz des Planeten".


Diese 4 Trends waren vor Corona schon da und werden sich jetzt noch schneller im Mainstream verankern. Ein weiterer Trend ist aber neu hinzugekommen:


#tomorrowstory 5:

GERM-FREE SOCIETY


Kannst du dich noch erinnern, als du einem Fremden die Hand geschüttelt hast und deine Freunde zur Begrüßung umarmt hast? Obwohl es erst drei Wochen her ist, fühlt es sich an, als ob sich unsere Gewohnheiten schon stark verändert hätten. Menschen sind unglaublich anpassungsfähig: Es dauert zwar einige Zeit, neue Handlungsweisen abzuspeichern, aber so schnell werden sie nicht wieder weggehen: Die Corona Hygiene-Vorschriften werden sich tief in unserem Unterbewusstsein abspeichern und der öffentliche Raum wohl nie wieder derselbe sein. Naomi Campbell hat es in ihrem Flugzeug-Desinfektions-Video vielleicht schon vorgezeigt: In Zukunft werden viele von uns das Bedürfnis haben, sich im öffentlichen Raum vor Viren und Keimen zu schützen. Vom Abstand Halten bis zum Fiebermessen bei Großveranstaltungen, vom desinfizierten Bankomat-Display bis zur Plexiglas-Wand im Supermarkt – das alles wird so schnell nicht wieder weggehen. Denn wer weiß, das nächste Virus ist vielleicht nicht weit...


tomorrow tipp: Wie sich das Coronavirus auf den Umgang untereinander auswirken wird, ist noch stark in Schwebe. Es lässt sich zum jetzigen Stand noch nicht voraussagen, wie sich unser Verhalten im Bezug auf öffentliche Zusammenkünfte und öffentliche Verkehrsmittel entwickeln wird. Wahrscheinlich wird sich eine gewisse Distanz weiter halten: Wer in nächster Zeit Veranstaltungen, Workshops oder Messen plant, sollte deshalb vorsichtshalber an (digitale) Alternativen denken oder zumindest daran denken, wie Menschenmengen in Zukunft sicher und keimfrei interagieren können. Eines ist aber sicher: Eine Weiterführung von schon wackelnder Events wie den Fashion Weeks wird es in der bisherigen Form sicherlich nicht geben! Hier wird sich viel in den digitalen Raum verschieben.

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